Man muss Papst Pius XII. nicht mögen….

… aber dass ihm in der öffentlichen Beurteilung vielleicht Unrecht geschehen ist, lässt sich nicht so einfach von der Hand weisen. Der Roman „Die schwarze Legende“ von dem pseudonym schreibenden Autor Julius Wintermantel nimmt sich dieses Themas nun an. Jede Ähnlichkeit mit lebenden Personen sei zufällig, heißt es da, aber natürlich geht es um Rolf Hochhuth, dessen Theaterstück „Der Stellvertreter“ mit seiner Darstellung des Eugenio Pacelli, der als Papst zum Judenmord geschwiegen habe, heute immer noch Pflichtlektüre im Gymnasium ist. Dabei stehen hinter den Behauptungen, auf denen Hochhuths „Stellvertreter“ basiert, inzwischen mehr Fragezeichen, als dass hier ein auch nur ansatzweise zutreffendes Bild dieses Papstes gezeichnet wird.

Doch Wintermanthel lässt sich in seinem Gegenentwurf auf Verschwörungstheorien nicht ein, sondern liefert einen passablen Unterhaltungsroman mit einem spannenden zeitgeschichtlichen Hintergrund – und wenn man hinterher vorsichtiger ist, jeder skandalsierend vorgebrachten Kirchenkritik auf den Leim zu gehen, dann hat man bei dieser empfehlenswerten Ferienlektüre sogar noch etwas gelernt.

Julius Wintermanthel, Die schwarze Legende (272 Seiten; 19 €)

Über mtreiber

Matthias Treiber ist Pfarrer und Journalist. Matthias Treiber is a minister in the Lutheran Church of Wuerttemberg and journalist.
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